Umfassendes Praxisbuch für Aktive

Mark Hawthorne: Striking at the Roots. A practical guide to animal activism. 10th anniversary edition – new tactics, new technology.
Change Makers Books 2018
404 Seiten, einige s/w Fotos
circa 19 Euro (Paperback)
und circa 12 Euro (eBook).
ISBN: 978-1-78535-882-1

rezensiert von Daniel Lau
Diese Rezension ist erschienen in TIERBEFREIUNG #102 (März 2019)

Mark Hawthornes Striking at the Roots, zu Deutsch etwa „an der Wurzel packen“, versteht sich als Handbuch für Tierbewegungsaktivist*innen („a practical guide to animal activism“). Das rund 400-seitige Werk ist 2018 in einer zweiten und erweiterten Auflage erschienen. Die erste Auflage stammt aus dem Jahr 2008, zu einer Zeit, als social media in der Bewegung kaum eine Rolle spielte. Entsprechend wartet die zweite Auflage mit dem Untertitel „new tactics, new technology“ mit Ergänzungen im Bereich des Multimedia-Aktivismus auf. Das Buch nimmt das Vorwort von 2008 auf und erweitert es um eine Einleitung zur 2018er Auflage. Es folgen insgesamt elf Kapitel, die jeweils eine besondere Aktionsform oder ein für Aktivist*innen relevantes Thema beleuchten. Striking at the Roots schließt mit vier Anhängen und einem Sach- und Personenindex. Der Text wird aufgelockert durch einige Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Leben der im Text zitierten und zu Wort kommenden Tierbewegungsaktiven.
Extrakästen mit Informationen und Zitaten, die thematisch auf das jeweilige Kapitel abgestimmt sind, ergänzen die Inhalte. Mark Hawthorne schreibt sehr anschaulich, mit vielen lebensnahen Beispielen aus dem Tierbewegungsaktivismus. Der englischsprachige Text ist insgesamt leicht verständlich und zugänglich.

Das Herzstück des Praxisbuches bilden die elf Kapitel mit einleitenden Worten zur jeweiligen thematisierten Aktionsform, Erlebnissen und Tipps aus dem Leben von Aktiven und hilfreichen Ratschlägen zur Umsetzung der entsprechenden Aktionsformen. Sehr gut gefallen haben mir die Hinweise darauf, wie bei bestimmten Aktionsformen mit negativen Reaktionen seitens Passant*innen oder Tierbewegungsgegner*innen umgegangen werden kann.

Die elf Kapitel beschäftigen sich mit:
1. Flyer verteilen
2. aktivistisches Schreiben (Briefe, Artikel und anderes)
3. Infostände
4. Proteste und Demonstrationen
5. outreach durch vegane Nahrungsmittel
6. Kampagnen gegen Konzerne
7. Tierheime, Lebenshöfe und Notfallstationen
8. Multimedia-Aktivismus
9. Direkte Aktionen
10. das Rechtssystem
11. nachhaltiger Aktivismus

Im Wesentlichen sind diese Kapitelüberschriften selbsterklärend, einzig Kapitel 10 soll hier kurz erläutert werden: Gemeint ist damit einerseits, wie durch herbeigeführte Gesetzesänderungen oder durch Einfluss in der Lokalpolitik, Aktivismus betrieben
werden kann, andererseits aber auch, wie Aktive mit dem Gesetz aneinandergeraten können und beinhaltet daher auch Abschnitte zu Gefangenen aus der Tierbewegung und ihren Erfahrungen.

Die vier Anhänge umfassen etwa 60 Seiten: A. aktuelle „Milestones” für die Tiere (hier werden stichpunktartig, auf drei Seiten, Erfolge der Tierbewegung, überwiegend aus dem englischsprachigen Raum, angeführt), B. 15 Dinge, die Du noch heute tun kannst, um Dich aktiv für Tiere einzusetzen (richtet sich an unerfahrene Einsteiger*innen und umfasst Punkte wie „go vegan“ oder bezieht sich auf die vorangehenden Kapitel, wie beispielsweise: Bestelle noch heute Info-Flyer und beginne bald mit dem Verteilen, siehe Kapitel 1), C. kenne Deine Rechte (bezieht sich teilweise auf Kapitel 10 und ausschließlich auf die Rechtsprechung in den USA, UK, Kanada, Australien/Neu-Seeland und nimmt den größten Raum innerhalb der Anhänge ein), D. Quellen (hier sind ebenfalls überwiegend englischsprachige weiterführende Quellen genannt wie Internetseiten, Bücher, Online-Shops für vegane Produkte, Magazine und dergleichen).

Striking at the Roots richtet sich sowohl an Aktive aus der Tierbefreiungs- als auch aus der Tierschutzbewegung. Die Linie des Autors ist jedoch stets emanzipatorisch und im Wesentlichen nicht-reformistisch. Die Tipps und Tricks zu den unterschiedlichen Formen des Aktivismus lassen sich fast alle auch auf deutsche Verhältnisse anwenden. Einzig die Fälle, in denen es um amerikanische Rechtsprechung geht (insbesondere Anhang C), können getrost überlesen werden oder sind vielleicht für entsprechend interessierte Aktive von Bedeutung. Zwar bietet Striking at the Roots hauptsächlich für Einsteiger*innen und Neulinge in den Tierbewegungen viele praktische und hilfreiche Informationen, doch auch langjährige Aktive werden die Lektüre sicherlich hilfreich finden. Insbesondere, wenn der Blick über den Tellerrand der eigenen aktivistischen Komfortzone zu ungewohnten oder ungenutzten Aktionsformen schweift und zugleich als Referenz dafür dient, ob bestimmte Formen des eigenen Aktivismus vielleicht optimiert oder verbessert werden könnten. Striking at the Roots erhält von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Der animot-Verlag arbeitet derzeit an einer Übersetzung des Handbuchs ins Deutsche. Geplanter Erscheinungstermin ist Winter 2019/Frühjahr 2020.