Cattalk No. 4 mit Lina Eichler

Cattalk No. 4 mit Lina Eichler

Wir haben uns mit der Aktivistin Lina Eichler unterhalten, die sich seit 16 Tagen mit anderen Aktivist*innen in einem Hungerstreik vor dem Bundestag in Berlin befindet. Ihr Ziel: Auf die Klimakrise aufmerksam machen. Dabei spielt auch der Veganismus eine große Rolle.

(a): Stell dich doch einmal kurz vor!

LE: Ich bin Lina, 19 Jahre alt, komme aus Dortmund und befinde mich heute im Tag 16 meines Hungerstreiks in Berlin. Ich habe mich am 30.08.2021 dazu entschieden in den unbefristeten Hungerstreik zu treten, weil ich endlich nicht mehr ignoriert werden will.

(a): Warum bist du/seid ihr in den Hungerstreik getreten?

Wir befinden uns mitten im Klimakollaps, schon jetzt sterben überall auf der Welt Menschen an den Folgen der Klimakrise. Ich will mit diesem Hungerstreik die Augen der Gesellschaft auf das politische Versagen lenken, die seit Jahren die wissenschaftlichen Fakten ignoriert. Wir müssen endlich ehrlich reden und dafür gehe ich an meine gesundheitlichen Grenzen.

(a): Was soll/muss in der Politik verändert werden?

LE: Aktuell hat keine der Parteien ein Wahlprogramm, das ausreicht, um die Klimakrise zu bekämpfen. Ich wünsche mir von der Politik, dass sie endlich den Tatsachen ins Auge blickt, auf die Wissenschaft hört und handelt. Mit unseren Forderungen stellen wir deshalb den Bürger*innenrat vor, der genau die Themen behandelt, die jetzt wichtig sind, abseits von wirtschaftlichen Interessen. Wir handeln hier aus Verzweiflung und möchten ehrlich reden. Was wir uns hier antun, ist noch lange nicht so schlimm wie das, was noch auf uns zukommen wird. Die Lage ist extrem dramatisch.

(a):Welche Rolle spielt der Veganismus beim Klimastreik?

LE: Ich selbst lebe seit 4,5 Jahren vegan und für mich war das auch der Einstieg in meinen politischen Aktivismus. Irgendwann habe ich verstanden, dass der Tierrechtsaktivismus mit meinem anderen Aktivismus (Klimaaktivismus, antifaschistischer Kampf usw.) zusammenhängt. Ich habe mich (weil es eben immer noch notwendig ist) immer weiter radikalisiert. Ich besetzte politische Gebäude und Straßen, rede mit Menschen, aber mit dem Hungerstreik adressiere ich die Politiker*innen noch viel direkter. Wir lassen uns nicht weiter ignorieren.

(a): Was forderst du/fordert ihr für die Umwelt?

LE: 1. Ein sofortiges Gespräch mit den drei Kanzlerkandidat*innen Herrn Laschet, Herrn Scholz und Frau Baerbock über den Mord an der jungen Generation.
2. Das Versprechen der Politiker*innen in einer neuen Regierung direkt einen Bürger*innenrat einzuberufen. In diesem sollten Sofortmaßnahmen gegen die Klimakrise, unter anderem eine 100% regenerative Landwirtschaft, besprochen werden.

(a): Was möchtest du/möchtet ihr den Menschen mit auf den Weg geben?

Wenn wir noch 3 Jahre so weitermachen wie bisher, reißen wir die 2 Grad Grenze und die Kipppunkte werden zunehmen (IPCC). Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir alle keine Lebensgrundlagen mehr haben. Schon jetzt leiden Millionen Menschen auf der Welt und die nächsten Kanzlerkandidat*innen entscheiden in der nächsten Legislatur wie schlimm das Ausmaß noch wird. Wir müssen jetzt handeln!

(a): Wie stellst du dir/stellt ihr euch eine perfekte Welt vor?

LE: Ehrlich gesagt habe ich mir nie wirklich viele Gedanken darüber gemacht, wie ich mir meine perfekte Welt vorstelle, weil ich weiß, dass wir in einer Welt voller Ungerechtigkeit leben. Ich weiß schon so lange davon, dass wir uns mitten in der Klimakrise befinden und das was uns bevorsteht unvorstellbar schrecklich werden wird. Extremwetter, Umweltkatastrophen, Hitze, Dürren und Hungersnöte nehmen zu. Ich weiß, dass ich diesen Kampf auf so vielen verschiedenen Ebenen weiterkämpfen werde. Natürlich will ich mit meinen Aktionen auch Hoffnung vermitteln: wir müssen jetzt handeln, um das Ausmaß der Klimakrise einzugrenzen. Nur sehe ich mich noch viel zu sehr ignoriert. Meine Motivation beleibt: ich kämpfe weiter, für eine Zukunft!

 

“Die Hungernden” im Klimastreik

Fotos von: Timo Knorr

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