Die broschierte Reihe richtet sich an Akademiker*innen aus den historischen, altphilologischen und archäologischen Disziplinen, die sich der Erforschung der vielfältigen Mensch-Tier-Beziehungen widmen. Zeitliche oder geografische Grenzen werden dabei nicht vorgegeben. Sowohl Sammelbände zu einem übergeordneten Thema als auch monographische Abhandlungen sind zur Veröffentlichung in der Reihe vorgesehen. Argos erscheint in unregelmäßigen Abständen im Format 17 x 24 cm mit Softcover und in Fadenheftung.

Voranfragen von Autor*innen sind jederzeit willkommen unter der Email:
argos@animot-verlag.de

Argos 1: Gewalt gegen Tiere

Argos 2: Von Stiermenschen und Schlangendrachen


Call for Contributions

Götter, Gefährten und Geknechtete.
Die Mensch-Tier-Verhältnisse in der Ur- und Frühgeschichte
Argos – historische & archäologische Tierstudien Band 3 (Oktober 2021)
Herausgegeben von Daniel Lau

Die Konstruktion des westlichen Menschenbildes weist den Tieren spätestens seit der klassischen Antike die Rolle des Anderen zu, die all jenes umfasst, was als nicht-menschlich angesehen wird. Tiere werden bis heute als wild, instinktbezogen, oft grausam und triebhaft dargestellt und dem Menschen gegenübergestellt, der als zivilisiert und intellektuell gilt sowie über eine Sprache und Bewusstsein verfügt. Diese bis in die Alltagssprache hinein verfestigte Mensch-Tier-Dichotomie erschafft einen Anthropozentrismus, einen menschlichen Exzeptionalismus, der alles, was nicht menschlich ist, marginalisiert und abwertet. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch die historischen und archäologischen Disziplinen vom anthropozentrischen Standpunkt durchdrungen sind und dass die Rolle von Tieren und ihr Anteil an der menschlichen Geschichte bislang weitgehend marginalisiert worden sind. Es existiert zwar eine unüberschaubare Anzahl archäozoologischer, kunsthistorischer oder philologischer Beiträge, die sich mit der Fauna in der Ur- und Frühgeschichte auseinandersetzen, die Tiere jedoch überwiegend in eine reine Objektrolle drängen. Diese Beiträge verstehen das Tier nicht als Subjekt, als Agens oder Akteur mit eigener Handlungsautonomie, sondern als Ressource, aus der die Menschen schöpfen konnten, analog beispielsweise zu Kupfer, Lehm, Holz oder anderen Rohstoffen.

Archäologie öffnet einen Zugang zu dem ,Anderen‘, sowohl hinsichtlich der Überbrückung von Zeiten und Räumen, die jenseits des individuellen menschlichen Erinnerungs- und Erfahrungsvermögens liegen, als auch in Bezug auf Menschen und nichtmenschliche Tiere. Die Archäologie steht daher in der Pflicht, ihre eigenen Narrationen kritisch zu hinterfragen und die Absichten, d.h. die jeweiligen diskurspolitischen Ansätze, offenzulegen, mit denen sie Geschichte schreibt. Ein kritisches Hinterfragen der durch die Wissenschaft konstituierten Machtverhältnisse im Bereich der Interspezies-Relationen findet unter methodischen Gesichtspunkten bislang selten statt. Nichtmenschliche Tiere hatten an allen menschlichen Bereichen des antiken Lebens einen maßgeblichen Anteil, denn ohne ihre Arbeitskraft in Landwirtschaft, Städtebaumaßnahmen und im Krieg, ohne ihre Nutzung als Transportmittel, als Opfermaterie und nicht zuletzt ihre Ausbeutung als Rohstoffquelle mannigfaltiger Art hätte die Geschichte der Humangesellschaft einen anderen Lauf genommen. Denn Tiere waren in den Gesellschaften der Ur- und Frühgeschichte Götter, Gefährten und Geknechtete – diese ambivalenten Verhältnisse der Menschen zu den Nichtmenschen steht im Fokus des Sammelbandes.

Die Erforschung von Mensch-Tier-Verhältnissen unter dem Gesichtspunkt eines handelnden Tieres steht dabei im Vordergrund Die Umsetzung des Konzeptes führt zur Einnahme eines alternativen Blickwinkels, der wiederum neue Erkenntnisse für die Erforschung vergangener Epochen verspricht. Gleichzeitig hat die Ur- und Frühgeschichte das Potenzial, die Anfänge der Mensch-Tier-Verhältnisse zu erhellen, aber auch die weitere Entwicklung des zunehmend komplexer werdenden Sozialgefüges des menschlichen und tierlichen Zusammenlebens zu ergründen.

Dieser geplante Sammelband der Reihe Argos – historische & archäologische Tierstudien bietet Wissenschaftler*innen unterschiedlicher historischer, philologischer und archäologischer Disziplinen ein Forum sich der Erforschung dieser komplexen ur- und frühgeschichtlichen Mensch-Tier-Verhälnisse anzunähern.

Senden Sie uns bitte eine kurze Zusammenfassung Ihrer Idee, von nicht mehr als 2.000 Zeichen Länge, bis zum 30. November 2020 an:
lau@animot-verlag.de.
Die fertigen Texte sollen 50.000–70.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen und Literatur) möglichst nicht überschreiten und müssen bis zum 30. April 2021 eingereicht werden. Geplanter Erscheinungstermin ist Oktober 2021.